Buchcover Rezension




Neuerscheinung würdigt Weltfirma – Hobbyhistoriker Norbert Peschke stellt Buch zu Firma Friemann & Wolf vor
(Freie Presse online vom 26.11.2014)

Autor: Norbert Peschke
Verlag: Eigenverlag Norbert Peschke
ISBN: 978-3-9815145-6-8
2., durchgesehene Auflage
50,00 EUR
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Friemann & Wolf
                Typ 100 Schnittmodell
Benzin-Sicherheitslampe Typ 100 im Schnitt (um 1898)

„130 Jahre Grubenlampen- und Akkumulatorenfertigung in Zwickau“

Die Weltfirma Friemann & Wolf

Als am 1. Dezember 1879 im Zwickauer Brückenbergschacht II 89 Bergleute infolge einer Schlagwetterexplosion ums Leben kamen, reifte beim Mechanicus Carl Wolf der Entschluss, eine sichere Grubenlampe zu konstruieren, die die Methangasanreicherung in der Grube anzeigt und außerdem ein helleres Licht als die Öllampe erzeugt. So erfand er die berühmte Benzin-Sicherheitslampe.

Carl Wolf wurde am 23. Dezember 1838 in Oberhohndorf geboren. Sein Vater war der Pächter des Kirsch’schen Gutes, auf dem 1826 die erste Dampfmaschine des Zwickauer Reviers betrieben wurde. Carl heiratete am 20. Mai 1861 Clara Nickel aus Neustadt bei Stolpen, mit welcher er sechs Kinder zeugte. In seinem Geschäft und seiner Werkstatt beschäftigte Carl sich zunächst mit Fleisch- und Gemüsemaschinen („durch den Wolf gedreht“), mit Näh- und Wäschewringmaschinen. Im Jahre 1882 stellte er in seiner Werkstatt in der Nikolaistraße 9 (Innenstadt, später Regerstraße, heute nicht mehr vorhanden) die ersten Benzin-Sicherheitslampen her. Die Vorteile dieser Lampe waren:
  • helleres Licht durch den Benzinbrand,
  • sicherer Magnetverschluss der Lampe,
  • nach Verlöschen der Flamme durch Zündvorrichtung wieder anzündbar,
  • Anzeige der Grubengaskonzentration durch die Höhe der Aureole (bläulicher Schein über der Flamme).
Carl Wolf (1838–1915) mit Ehefrau
Carl Wolf (1838–1915) mit Ehefrau
Heinrich
                          Friemann

Während einer Eisenbahnfahrt zum Patentamt in Berlin lernte Wolf den Kaufmann für Baku-Öl und Sprengstoffe, Heinrich Friemann aus Eisleben (geb. 1850 in Langendreer), kennen. 

Friemann unterstützte die Pläne Wolfs, indem er das Grundstück an der Reichenbacher Straße 68 erwarb und darauf eine Fabrik zur Herstellung von Grubenlampen bauen ließ, die am 1. August 1884 in Betrieb genommen werden konnte. Im nächsten Jahr setzt der Siegeszug der Erzeugnisse der Firma Friemann & Wolf ein. In der ganzen Welt entstanden für die Grubenlampen Tochtergesellschaften, Niederlassungen und Verkaufsstellen. Jede namhafte Ausstellung, so z. B. auch die Weltausstellungen in Antwerpen (1885, 1894), Paris (1900) und St. Louis (1904), wurden zur Präsentation der Lampen genutzt. Fast überall wurde das Unternehmen mit Medaillen und Auszeichnungen geehrt.

Heinrich Friemann
Heinrich Friemann verstarb schon 1898 (sein Anteil an der Firma wurde der Familie ausgezahlt) und Carl Wolfs Sohn Paul (1863–1931) übernahm 1907 die Geschäftsleitung der neugegründeten GmbH. Der zum Kommerzienrat ernannte und mit preußischen und sächsischen Orden dekorierte Carl Wolf starb am 30. Januar 1915. In den Jahrzehnten ab 1900 war Friemann & Wolf führend an allen Neuentwicklungen (bis 1945 etwa 120 genehmigte Patente in Deutschland) auf dem Gebiet der Grubenlampen beteiligt: Acetylen-Sicherheitslampen (1901), offene Acetylenlampen (1904/05), elektrische Lampen mit Blei- (um 1910) und Nickel-Cadmium-Akkumulator (um 1913), elektrischen Kopflampen (1923), elektrische Beleuchtungsanlagen (1928), Pressluftlampen (1928), Gasanzeigegeräte (um 1928), Bleistarter-Batterien für Autos (um 1923/24) und Nickel-Cadmium-Akkumulatoren für die Eisenbahn usw. Schon vor dem Ersten Weltkrieg richtete Friemann & Wolf in den Bergwerken Lampenstuben ein, in denen vom firmeneigenen Personal die Grubenlampen aufgeladen und gewartet wurden. Heute sagt man in „neudeutsch“ Leasing dazu. Firmengelände
Das Firmengelände um 1909

Nach dem Ersten Weltkrieg verlor das Unternehmen seine Tochtergesellschaften in den „Feindesländern“ USA, Frankreich, Großbritannien und Belgien ersatzlos. Dafür wurden in Zwickau die Betriebsteile Werk II (Reichenbacher Straße 89) und Werk III (Emilienstraße 24A) aufgebaut. Als Firma, die Erzeugnisse für die Kriegführung im Zweiten Weltkrieg herstellte (Akkumulatoren, Batterien, Handlampen), ging sie im November 1945 in das Eigentum der Sowjetunion über (es war aber keine Enteignung per Volksabstimmung am 30. Juni 1946 und Überführung in Volkeigentum), während sich in der Niederlassung Duisburg die Führung der Firma Friemann & Wolf etablierte. Zwei der drei Produktionslinien für die Herstellung von Starterbatterien in Zwickau gingen als Reparationsleistung nach Polen, während die Sowjetische Militäradministration in Deutschland mehr Wert darauf legte, für ihre Militärfahrzeuge und die Uranbergwerke im Erzgebirge die entsprechenden Produkte (Batterien, Grubenlampen) fertigen zu lassen. Am 1. Mai 1952 wurden die Grubenlampenwerke Staatliche AG der elektrotechnischen Industrie Zwickau – Kabel – in das Volkseigentum der DDR überführt.

Dieser Betrieb entwickelte sich zum größten Hersteller von Akkumulatoren und Starterbatterien in der DDR. Die GAZ Geräte- und Akkumulatorenwerk Zwickau GmbH, GAZ Batterie GmbH, GAZ Notstromaggregate Zwickau GmbH, Hoppecke GmbH in Zwickau, Johnson Controls Sachsen-Batterien GmbH & Co. KG und WESOMA GmbH stehen heute als wichtige Arbeitgeber in der Tradition der Friemann & Wolf GmbH Zwickau.

Die Geschichte dieser Unternehmen und die der Entwicklung der Grubenlampen und Akkumulatoren können Sie in dem 2014 erschienen, 552-seitigen Buch „130 Jahre Grubenlampen- und Akkumulatorenfertigung in Zwickau“ nachlesen. Über 1000 – zum Teil farbige – Bilder veranschaulichen 130 Jahre Industriegeschichte in Zwickau.
1. Auflage vergriffen!
2., durchgesehene Auflage erscheint im Frühjajr 2016!